Hafen
Mein erster Tag in Palma: Hafenguide für AIDA-Erstkreuzfahrer
Als die AIDAnova morgens um kurz nach sechs in Palma anlegt, stehe ich schon an Deck. Die Sonne hebt sich gerade über die Bucht, und die Kathedrale La Seu leuchtet wie ein warmer Zahn aus Sandstein.
Palma ist mein Start- und mein Endhafen. Das heißt: ich habe diesen Tag zweimal. Einmal als Einschiffungsort, an dem ich bewusst einen Tag früher eingeflogen bin. Und einmal als Abschluss-Hafen nach der Rückkehr. Hier erzähle ich vom ersten Mal — dem echten Hafentag mit dem Schiff als Heimathafen.
Vom Hafen in die Stadt — drei Wege, drei Preise
Der Cruise Terminal in Palma liegt nicht direkt in der Altstadt. Zwischen Kai und Kathedrale liegen rund 3 Kilometer, und die muss man auf die eine oder andere Art überwinden.
AIDA bietet einen Hafen-Shuttle an. Das Reisebüro vor dem Terminal schickt mich zu einer Taxi-Reihe. Und die Promenade — die Passeig Marítim — führt zu Fuß direkt am Wasser entlang in die Stadt. Ich habe alle drei ausprobiert.
| Variante | Preis | Dauer | Für wen geeignet |
|---|---|---|---|
| AIDA-Hafen-Shuttle | 8 € hin+zurück | ~15 Min. | Wer nicht laufen mag und pünktlich zurück will |
| Taxi (Cruise Terminal → Kathedrale) | ~12–15 € | ~10 Min. | Wer wenig Zeit hat oder schlecht zu Fuß ist |
| Zu Fuß über Passeig Marítim | 0 € | ~25–30 Min. | Wer eingewöhnen und Stadt riechen will |
Ich bin beide Male den Fußweg gelaufen. Nicht aus Sparsamkeit — sondern weil dieser Weg der schönste Anflug auf Palma ist, den es gibt. Man geht an Jachten vorbei, an der Catedral-Silhouette entgegen, mit Palmen rechts und dem Hafen links. Nach 20 Minuten steht man plötzlich vor der Almudaina-Festung, und die Altstadt öffnet sich.
Mein erster Eindruck
Palma empfängt dich mit dem Geruch nach Salz, Kaffee und warmem Stein. Die Kathedrale ist weniger ein Gebäude als ein Magnet — sie zieht dich durch die ganze Stadt.
Mein erster Eindruck — Palma um 9 Uhr
Um neun Uhr, wenn die Hafen-Shuttles ihre erste Welle entladen haben, ist Palma noch halb-wach. Die Cafés öffnen gerade, die Ladeninhaber stellen ihre Schilder vor die Tür, die Busse brummen.
Ich stehe vor der Catedral de Mallorca — einheimisch einfach „La Seu" genannt — und versuche, sie zu fotografieren. Sie gelingt mir nicht. Sie ist zu groß, zu nah, zu senkrecht für jeden Winkel den ich habe. Das ist, glaube ich, ihr Trick: sie lässt sich nicht fassen.
Der zweite Eindruck, den Palma mir aufzwingt, ist der Geruch. Vor der Mercat de l'Olivar duftet es um zehn Uhr nach frisch gebackenem Ensaïmada und warmem Olivenöl. In den Seitengassen nach gerösteten Mandeln und Zitronenschale. An der Kathedrale dagegen riecht es nach altem Stein und Meer.
Der dritte Eindruck ist akustisch. Palma ist nicht leise, aber sie ist nicht laut im Sinne einer Großstadt. Sie ist voll — gefüllt mit halben Gesprächen auf Mallorquí, mit Kirchenglocken, mit Koffern die über Kopfsteinpflaster rattern, mit dem unverwechselbaren Klang von Espresso-Maschinen.
Nach einer halben Stunde Altstadt-Spaziergang weiß ich: dieser Hafen ist nicht „schnell abhaken". Hier muss man langsamer gehen als sonst, sonst rutscht einem der Tag zwischen den Fingern durch.
Die vier Must-See-Punkte — und was ich wirklich machen würde
Jeder Reiseführer zählt dieselben Punkte auf. Ich habe sie alle gesehen, und ich werde nicht so tun, als hätte ich sie entdeckt. Aber ich kann sagen, welche davon ihren Platz auf einem Tagesplan verdienen — und welche nicht.
La Seu — die Kathedrale. Eintritt rund 9 €. Innen ein Gaudí-Lichtspiel (ja, dieser Gaudí hat die Umgestaltung 1904 begleitet). Die Rosette über dem Eingang ist 12 Meter hoch und schickt mittags um elf ein Lichtmuster auf den gegenüberliegenden Boden — das berühmte „Acht der Lichter". Worth it, aber nur wenn man drin ist, nicht nur außen fotografiert.
Almudaina-Palast. Direkt neben der Kathedrale. Königliche Residenz aus arabischer Zeit, heute Museum. Eintritt 7 €. Ich war nicht drin — mir war der Tag zu kurz, und außen ist sie schon spektakulär genug.
Passeig del Born. Die Flanier-Meile. Luxus-Boutiquen auf der einen Seite, Schatten-Bäume in der Mitte, Cafés auf der anderen. Kein Muss, aber ein guter Ort um durchzuatmen.
Mercat de l'Olivar. Das ist mein Geheimtipp, und deswegen steht er extra weiter unten.
Was ich beim zweiten Besuch anders machen würde:
- Früher kommen. Um 8 Uhr ist die Kathedrale fast leer. Um 11 Uhr zahlt man mit Menschenmenge für das Gaudí-Licht.
- Den Paseo Sagrera. Der kleine Park direkt am Wasser zwischen La Lonja und Kai — oft übersehen, aber ein perfekter Anker-Punkt zum Wiederfinden der Gruppe.
- Nicht ins Zentrum der Touristenshops. Die Calle Sant Miquel hinter der Plaça d'Espanya ist fast ausschließlich für Kreuzfahrer angelegt. Die echte Altstadt liegt zwischen Kathedrale und Banys Àrabs.
- Sonnencreme + Wasser mitnehmen. Die Preise für beides in der Altstadt sind das Dreifache der Supermarkt-Preise. Am Hafen gibt es einen Spar — lieber vorher decken.
- Kopfsteinpflaster-taugliche Schuhe. Absätze sind hier eine Strafe. Sneakers gewinnen.
Mein persönlicher Tipp — der Mercat de l'Olivar
Das, was mich in Palma wirklich getroffen hat, ist kein Monument. Es ist eine Markthalle.
Mercat de l'Olivar liegt zehn Gehminuten nördlich der Kathedrale. Von außen unspektakulär — eine große Halle aus den 50er-Jahren mit zwei Etagen. Innen das Gegenteil: Fischstände mit Kraken die heute morgen noch schwammen, Metzger mit Sobrasada-Würsten die wie Zigarren aussehen, Käse-Theken die nach Schafsalz und Olive duften.
Ich habe dort für rund 12 € ein kleines Picknick zusammengekauft: eine Scheibe Sobrasada, 100g Manchego, eine Tomate, eine Orange, ein Stück Ensaïmada. Plus einen Espresso an der Bar im Erdgeschoss für 1,30 €. Das war mein eigentlicher Palma-Moment — nicht die Kathedrale, nicht der Almudaina. Der Markt.
Wenn du nur eine Stunde in Palma hast, verbringe sie hier. Die Kathedrale kannst du von außen fotografieren. Den Markt kann man nur erleben, indem man eintritt.
Wer ein gutes Einstiegs-Buch für Mallorca-Hintergrund sucht — ich habe den Mittelmeer-Reiseführer auf dem Flug gelesen (Werbung) (Werbung) — die Mallorca-Kapitel sind dünn aber als Überblick für die Gesamtroute nützlich.
Essen und Trinken — zwei konkrete Tipps
Nach dem Markt-Picknick war mein Hunger halb-gestillt, aber Espresso war noch nicht genug. Zwei Orte, die ich als Hafentag-Erstfahrerin empfehle:
Can Joan de s'Aigo (Carrer de Can Sanç 10) — ein Traditions-Café aus 1700, handgeschriebene Speisekarte, berühmt für seine Ensaïmadas mit heißer Schokolade. Der Raum sieht aus wie ein spanisches Wohnzimmer von 1950. Eine Ensaïmada + ein xocolata kosten rund 6 €.
Bar España (Carrer de Can Escursac 12) — ein kleines Tapas-Lokal, wo Einheimische mittags stehen und essen. Zwei Tapas + ein Clara (Bier mit Limo) = rund 10 €. Kein Touristen-Menü, keine Bilder-Karte. Englisch geht, aber die Karte ist auf Katalanisch.
Was ich gelernt habe: an einem Hafen-Tag niemals das erste Restaurant direkt am Passeig del Born nehmen. Die sind genau für Kreuzfahrer kalibriert — Preis doppelt, Qualität halb. Zwei Gassen weiter beginnt das echte Palma.
Zurück zum Schiff — das Timing-Rätsel
Die AIDAnova legt um 18:00 Uhr wieder ab. All-aboard ist um 17:30 — also 30 Minuten vorher. Das heißt: realistischer Cutoff-Zeitpunkt für Rückweg ist spätestens 17:00.
Mein Timing sah so aus:
- 16:00 Uhr: letzter Kaffee am Passeig del Born
- 16:15 Uhr: zu Fuß Richtung Hafen über die Passeig Marítim
- 16:45 Uhr: am Cruise Terminal angekommen
- 16:55 Uhr: über die Gangway aufs Schiff
- 17:30 Uhr: Pulse-Check an der Rezeption
Wer nicht zu Fuß zurück will, sollte sich merken: Taxi-Warteschlangen an der Kathedrale werden ab 15:30 Uhr lang. Alle Kreuzfahrer drängen gleichzeitig zurück. Der Hafen-Shuttle ist dagegen verlässlich, fährt aber im 30-Minuten-Takt — den Rückfahrplan am Morgen fotografieren spart Stress.
Was ich fürs nächste Mal besser machen würde: nicht erst um 16 Uhr zurücklaufen. Mein Fehler diesmal — ich wollte den Sonnenuntergang über der Bucht fotografieren, aber der liegt hier im Juni erst gegen 21 Uhr. Da ist mein Schiff längst wieder auf See. Das Foto mache ich im Winter vom Festland aus.
Palma als erster Hafen war ein freundlicher Einstieg. Nicht zu groß wie Rom, nicht zu klein wie Olbia, mit einer klaren Achse (Kai → Kathedrale → Markt → zurück) die man nicht verfehlen kann. Wenn du zum ersten Mal einen Tag in einem Mittelmeer-Hafen hast, ist Palma ein guter Übungsplatz.
Im nächsten Artikel erzähle ich von Rom — und davon, warum ich mich am Tag in Civitavecchia bewusst gegen die Stadt entschieden habe. Dort weiterlesen.
Natalie
Wenn das Schiff abends ablegt und die Lichter der Stadt kleiner werden, weiß ich wieder, warum ich das mache.
